9. September 2010

Der Rat der Guten Regierung von Oventik verurteilt die Unterdrückung durch die politischen Parteien und Autoritäten in San Marcos Avilés und Pamala

Rat der Guten Regierung ´Zentrisches Herz der Zapatisten vor der Welt`
SNAIL TZOBOMBAIL YU’UN LEKIL J’AMTELETIK
TA OLOL YO’ON ZAPATISTAS TA STUKIL SAT YELOB SJUNUL BALUMIL

9. September 2010

An die Öffentlichkeit.
An die nationale und internationale Presse.
An die nationale und internationale Gesellschaft.
An die Menschenrechtsorganisationen.
An die alternativen Medien.
An die Anhänger*Innen der Anderen Kampagne.
An die Anhänger*Innen der ´Sexta Internacional`.
Brüder und Schwestern.

Wir, der Rat der Guten Regierung ´Zentrisches Herz der Zapatisten vor der Welt` mit Sitz im Caracol II ´Widerstand und Rebellion für die Menschlichkeit` in Oventik, im Hochland von Chiapas, informieren und verurteilen energisch das anmaßende, aggressive und grobe Verhalten der Anhänger*innen der politischen Parteien und ihrer Autoritäten der Gemeinde San Marcos Avilés, im Landkreis Chilón und Pamala, im Landkreis Sit Ala.

Unsere Compañer@s, Manuel Vásquez Álvarez, aus der Gemeinde Pamala, offizieller Landkreis Citala, und Pedro Cruz Gómez, aus der Gemeinde Guadalupe el Kaptetaj, auch offizieller Landkreis Citala, wendeten sich an unser Büro in Oventik, um uns mitzuteilen, dass unser Compañero Manuel Vázquez zu den Autoritäten des Ejido San Marcos Avilés, offizieller Landkreis Chilón, und denen der Gemeinde Pamala, offizieller Landkreis Citala, zitiert wurde. Unser Compañero Manuel folgte dieser Vorladung, weil sie ihn warnten, dass wenn er nicht erschiene, die Polizei zu ihm kommen müsse, um ihn gewaltsam dorthin zu bringen. Als Manuel bei der Behörde des Ejido San Marcos Avilés erschien waren dort Anhänger*innen der Partei der Institutionellen Revolution (PRI), der Partei der demokratischen Revolution (PRD) und der Grünen Ökologischen Partei Mexikos (PVEM) versammelt, wo sie dem Compañero vor dieser Versammlung sagten, dass das Problem in San Marcos, mit der Einführung der autonomen Erziehung, gelöst wird.

Unser Compañero antwortete, dass die autonome Bildung nicht nur in San Marcos, sondern in allen autonomen Landkreisen wo unsere zapatistische Organisation existiert, eingeführt wird. Mehrere Leute der Versammlung begannen viele Grobheiten und beleidigende Worte gegen unsere Compañer@s und gegen die zapatistische Bewegung und ihre autonomen Autoritäten zu sagen. Dann sagten sie ihm, dass er ein Dokument unterzeichnen müsse, welches besagt, dass er die zapatistische Organisation verlassen muss und die Schule, welche unsere zapatistische Unterstützungsbasis im Ejido San Marcos gerade für die Erziehung ihrer Kinder gebaut hat, zerstören muss und dass man die autonome Erziehung zwingend verbieten muss.

Unser Compañero sagte, dass er kein Dokument unterschreiben wird, dass es sein Recht ist in der Organisation [zapatistische Bewegung] zu sein und dass er es deshalb nicht sein lassen wird, durch keinen Druck, durch niemanden. Als sie ihn weiter verhörten und zwangen zu sagen, wer die Anführer der Organisation sind, antwortete unser Compañero, dass er seine Compañer@s und seine Bewegung nicht verraten wird. Mit dieser Antwort erhielt unser Compañero weitere Drohungen und sie sagten ihm, dass sie ihn vor die Staatsanwaltschaft bringen werden und steckten ihn bis Mitternacht des 21. August ins Gefängnis der Gemeinde stecken und holten ihn immer wieder kurz heraus um ihn unter Druck zu setzten das Dokument zu unterzeichnen.
Als ein Compañero aus der Gemeinde Guadalupe Kaptetaj kam, um zu sehen, was mit dem Compañero Manuel passiert, packten sie auch ihn sofort und steckten ihn ins Gefängnis zu dem Compañero namens Pedro Cruz Gómez, nahmen ihn die Schuhe und den Gürtel weg und dann steckten sie ihm ein Taschenmesser in die Hosentasche um ihn als einen Mörder zu beschuldigen.

Währenddessen holten sie den Compañero Manuel immer wieder aus dem Gefängnis um von ihm die Unterzeichnung des besagten Dokuments zu fordern. Bis zu neun mal zwangen sie ihn, doch als sich Manuel rundheraus weigerte das Dokument zu unterzeichnen, sagten sie ihm sie müssen jeder 5000 Pesos Strafe zahlen um aus dem Gefängnis frei zu kommen. Die Compañeros antworteten, dass sie nicht bezahlen werden weil sie keinerlei Schuld haben und keinerlei Unterstützung von der Schlechten Regierung erhalten.

Nachdem unsere Compañeros aus dem Gefängnis frei kamen ohne die Strafe zu bezahlen, erhielten sie einen Haufen Drohungen und Grobheiten und ihnen wurde gesagt, dass sie die zapatistische Bewegung verlassen sollen, dass sie nicht zum Rat der Guten Regierung gehen und diesen informieren sollen. Und sie sagten ihnen, dass sie 23 Hektar des Landes wegnehmen werden, welches unsere Compañer@s gekauft haben und das sie seit über 10 Jahren bearbeiten.

Sie sagten unseren Compañeros, dass eine Kommission zur Verwaltung für Landwirtschaft geht um die Streichung der Landrechte von 15 [zapatistischen] Compañer@s Ejidatari@s der Gemeinde San Marcos Avilés zu fordern, mit dem Ziel sie aus der Gemeinde zu vertreiben, und wenn sie nicht freiwillig gehen werden sie es mit Gewalt erzwingen.
Diese Autoritäten erfüllten ihre Drohungen das Land unserer Compañer@s wegzunehmen, denn am 24. und 25. August dieses Jahres nahmen Autoritäten und Anhänger*innen der verschiedenen politischen Parteien das Land weg, welches unsere Compañer@s der Unterstützungsbasis vor über 10 Jahren gekauft hatten. Insgesamt haben die Anhänger*innen der politischen Parteien knapp 30 Hektar Land, an verschiedenen Stellen desselben Ejido gestohlen, auf welchen jede Familie unserer Compañer@s Jahr für Jahr gearbeitet haben. Unter dem Gestohlenem befinden sich 5.850 Kaffeepflanzungen, 10 Hektar Mais- und Bohnenfelder, 7 Rinder, 6 Pferde, 3 Wohnhäuser, was alles unseren Compañer@s der Unterstützungsbasis gehört.

Derzeit ist das Land unserer Compañer@s der Unterstützungsbasis besetzt durch Anhänger*innen der Parteien, die nun in den Kaffeepflanzungen und Maisfeldern unserer Compañer@s arbeiten. Außerdem haben sie 1 Hektar Bananenpflanzungen zerstört, welche unsere Compañer@s angepflanzt haben.

Am 22. August gab es mehrere Luftschüsse aus einer Schusswaffe um unsere Compañer@s einzuschüchtern und am Abend trafen sie [Aggressor*innen der Gemeinde] sich um Pläne zu machen. Danach verteilten sie sich in Gruppen an verschiedenen Punkten in der Gemeinde, mit Macheten, Stöcken und Schusswaffen ausgestattet, bis sie sich zu später Nachtzeit zurückzogen.

Am 8. September stahlen die Eindringlinge 7 Rinder, die sie sicherlich irgendwo verkauft haben. Am selben Tag stahlen sie die Drahtzäune, welche unsere Compañer@s benutzen und es gab mehrere Schüsse.

Die politischen Parteien sagen, dass der erste Schritt gegen unsere Compañer@s der Diebstahl ihres bereits erwähnten Eigentums ist und der nächste Schritt die Vertreibung unserer männlichen Compañeros aus dem Ejido ist, dass ihre Frauen und Kinder für die Parteiangehörigen bleiben und sie dann alle Häuser unserer Compañer@s verbrennen.

Angesichts dieser Situation der Aggressionen und Drohungen, schickten wir, der Rat der Guten Regierung des Hochlandes von Chiapas, einen Brief an die Behörden und Bewohner*innen dieses Ejidos um ihnen zum letzten Mal in guter Weise zu sagen, dass sie unsere Compañer@s der Unterstützungsbasis nicht mehr belästigen und nicht angreifen und ihr Eigentum respektieren sollen, weil auch sie Einwohner*innen des selben Ejidos sind und die gleichen Rechte wie alle haben. Die Ländereien, welche die Compañer@s gekauft haben und wofür sie Dokumente haben, die dafür bürgen, gehören ihnen, deshalb haben sie das Recht zu fordern was ihnen gehört und nicht mehr Land einzufordern außer dem, was ihnen gehört.
Aber leider war die Reaktion der Autoritäten des Ejido und des Landkreises auf unseren Brief Grobheiten, Spott und weitere Drohungen gegenüber unseren Compañer@s, womit klar ist, dass diese Leute weit davon entfernt sind, die Recht zu verstehen.

Aber am 9. September 2 Uhr nachts erschienen 30 Anhänger*innen der politischen Parteien, angeführt durch Lorenzo Ruiz Gómez und Vincente Ruiz López, um ihren Plan, unsere Compañer@s zu vertreiben, zu erfüllen, in aggressiver und gewalttätiger Weise vor ihren Häusern, bewaffnet mit Macheten, Stöcken und Schusswaffen. Sie drangen in 2 Häuser ein und versuchten 2 Frauen zu vergewaltigen. Um die Provokation und Gewalt der Aggressor*innen nicht zu erwidern, mussten unsere Compañer@s ihre Häuser verlassen und alle ihre Habseligkeiten zurücklassen. 170 Personen, darunter Männer, Frauen und Kinder befinden sich derzeit als Flüchtlinge in den Bergen, wo sie unter Hunger, Kälte, Schlaflosigkeit und Angst vor Aggressionen leiden.

Die Anführer*innen der politischen Parteien sagen, dass, wenn sie ihr Ziel, die zapatistische Unterstützungsbasis aus San Marcos zu vertreiben, erreicht haben, mit anderen Gemeinden, in denen es autonome Schulen gibt, fortfahren werden.

Als Rat der Guten Regierung ist es unsere Pflicht und Schuldigkeit die Öffentlichkeit zu informieren über all diese Aggressionen, Verfolgungen und Provokationen der Anhänger*innen der verschiedenen politischen Parteien, die unterstützt, beraten und bezahlt werden durch die Schlechten Regierungen auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene, welche die geistigen Urheber der Menschenrechtsverletzungen sind.

Wir werden nicht schweigen angesichts jeglicher Bedrohung und Aggression gegen unsere Compañer@s. Wir werden nicht zulassen, dass die Schlechten Regierungen, durch die Anhänger*innen ihrer verschiedenen Parteien, uns weiterhin bedrohen und ihrem Willen unterwerfen, denn das Ziel dieses gewalttätigen und aggressiven Verhaltens der drei Regierungsebenen durch die Parteien ist es, dass wir auf ihre Provokationen hereinfallen und die Erziehung unserer Kinder und die Weiterentwicklung unseres Kampfes für den Aufbau unserer Autonomie zu verhindern.

Da die Schlechten Regierungen nicht wissen wie sie den nationalen Befreiungskampf der Zapatist*innen aufhalten können, wollen sie nun auf diese Weise die autonome Erziehung aufhalten und wollen sie zu einem Problem umformen, denn sie wollen uns weiterhin mit ihrer offiziellen Erziehung kontrollieren, die aber nicht den Völkern, sondern nur den Reichen dient.

Wir wollen der Öffentlichkeit zum Ausdruck bringen, dass wir die autonome Erziehung in allen zapatistischen Territorien fortführen werden. Unsere Kinder werden nicht mehr in die öffentlichen Schulen gehen, weil sie dort nicht die Wahrheit darüber lehren, wie wir indigenen Völker und alle Armen Mexikos leben. Wenn die Regierungsebenen dies nicht berücksichtigen, ist es um ihre Schande zu vertuschen.

Unsere Compañer@s die in den letzten Stunden aus ihren Häusern vertrieben wurden, müssen in ihr Zuhause zurückkehren und wir verlangen, dass sie von den Leuten der Parteien und den drei Regierungsebenen respektiert werden.
Wir fordern, dass unseren Compañer@s ihre Habseligkeiten, die ihnen entrissen wurden, sofort zurückgegeben werden, dass ihr Recht als Ejidatarios auf ihrem Land zu arbeiten, ihr Recht auf die Erziehung ihrer Kinder und ihr Recht auf ihren eigenen Land zu leben, respektiert werden.

Wenn ihre Rechte nicht respektiert werden und dieses Problem nicht auf gute Art gelöst wird, sind die unmittelbaren Verantwortlichen die Regierungen auf allen drei Ebenen und sie demonstrieren einmal mehr, dass es eine pure Lüge ist, wenn sie von Rechten und Respekt sprechen und davon, dass die Probleme zwischen den Völkern sich durch Dialog und Vernunft lösen lassen.

Wir bitten unsere Anhänger*innen und die nationale und internationale Zivilgesellschaft darum wachsam zu sein, was mit unseren Compañer@s des Ejido San Marcos Avilés, offizieller Landkreis Chilón, passiert.

Für den Moment sind dies all unsere Worte und wir werden weiterhin öffentlich verurteilen was gegenüber unseren Unterstützungsbasen passiert.

Hochachtungsvoll,

Der Rat der Guten Regierung ´Zentrisches Herz der Zapatisten vor der Welt`, Hochland von Chiapas.

Samuel Velásco Sánchez
Sonia Ruiz Ruiz
Flor López Pérez

Caracol ´Widerstand und Rebellion für die Menschlichkeit`
TA TZIKEL VOCOLIL XCHIUC JTOYBAIL SVENT A SLEKILAL SJUNUL BALUMIL SAN ANDRÉS SAKAMCH’EN DE LOS POBRES SAN JUAN DE LA LIBERTAD SANPEDRO POLHÓ SANTA CATARINA MAGDALENA DE LA PAZ 16 DE FEBRERO SAN JUAN APÓSTOL CANCUC

Denuncia im Original: http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2010/09/09/la-jbg-corazon-centrico-de-los-zapatistas-delante-del-mundo-de-oventic-denunica-represion-de-partidos-politicos-y-autoridades-en-san-marcos-y-pamala/

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